Der Pariser Bobo-Stil ist einer der am leichtesten zu erkennenden und am wenigsten verstandenen. Er wird oft mit dem reinen Bohème oder dem neu interpretierten Hippie-Stil verwechselt. Die Realität ist präziser: ein französisches Kulturerbe, eine Grammatik aus Materialien und Tönen und vor allem eine Art, Vintage zu tragen, ohne verkleidet auszusehen. Hier sind seine Codes.
Woher der Pariser Bobo-Stil kommt
Das Wort „Bobo“ – Bourgeois-Bohème – wurde im Jahr 2000 vom amerikanischen Journalisten David Brooks popularisiert, um eine neue, gebildete, wohlhabende urbane Klasse zu beschreiben, die jedoch mit den ostentativen Codes des Luxus brach. In Frankreich übernommen, verschob sich der Begriff hin zu einer stilistischen Bedeutung: ein Stil, der klassische bürgerliche Eleganz (edle Materialien, klare Schnitte) mit einer Vintage- und Folk-Lässigkeit verbindet.
Geografisch verkörpert sich der Pariser Bobo-Stil in den Straßen des Marais, des 11. und des südlichen 9. Arrondissements. Es ist ein Stil, der sowohl bei einem Sonntagsbrunch als auch bei einer Designausstellung zu sehen ist – und der fast prinzipiell den strengen Hosenanzug, High Heels und sichtbare Marken ablehnt.
Die Pariser Bobo-Palette: erdig, sanft, niemals grell
Die Farbpalette ist eines der markantesten Merkmale des Stils. Sie weicht von den klassischen kalten Neutraltönen (Schwarz, Grau, Weiß) ab und tendiert zu wärmeren, erdigeren Tönen.
Die dominierenden Farben: Creme, Sandbeige, Kamelbraun, Rost, Terrakotta, Salbeigrün, gedecktes Khaki, Bordeaux. Zu diesen Tönen gesellen sich stärkere Akzente: Senf, Ocker, manchmal ein Ziegelrot. Schwarz existiert, aber eher in sekundären Stücken als in der Basis.
Muster sind präsenter als im klassischen Pariser Stil. Kleines Blumenmuster, Kaschmirmuster (Paisley), feine Streifen, Hahnentritt, manchmal ein Leopardenmuster, das wie ein Neutralton getragen wird. Niemals große Logos, niemals grelle Muster.
Die Schlüsselmaterialien der Bobo-Garderobe
Der Pariser Bobo-Stil ist sehr materialistisch – in dem Sinne, dass er dem Material, mehr als dem Schnitt oder der Farbe, große Bedeutung beimisst.
Naturmaterialien dominieren: zerknitterter Leinen, Rohbaumwolle, gekochte Wolle, gewaschene Seide, Cord, Wildleder oder Wildlederoptik, Bouclé-Wolle im Schaffell-Stil. Synthetik ist in der Minderheit, besonders bei sichtbaren Teilen.
Patinierte Materialien werden geschätzt: ein gehaltenes Ledereffekt, der das Licht einfängt, eine Wolle, die am Ellbogen des Pullovers leicht fusselt, eine Baumwolle, die Falten annimmt. Die Spuren der Zeit sind ein Zeichen von Qualität, kein Makel.
Handwerkliche Details sind präsent: Fransen, diskrete Stickereien, stoffbezogene Knöpfe, sichtbare Säume. Aber ohne Übertreibung – der Pariser Bobo ist kein amerikanischer Folk, er bewahrt eine französische Disziplin.
Die charakteristischen Stücke des Pariser Bobo-Stils
Ein Dutzend Stücke kehren in der Pariser Bobo-Garderobe immer wieder als Selbstverständlichkeit auf:
- Das lange Kleid mit kleinem Blumenmuster (Sommer)
- Der Oversize-Pullover aus gekochter Wolle oder Mohair
- Die ausgewaschene, hochgeschnittene Straight-Leg-Jeans
- Der lange Faltenrock oder Rock mit dezenten Volants
- Der Cordmantel oder der Lammfellmantel
- Das Leinen- oder bestickte Baumwollhemd
- Die lange ärmellose Strickweste
- Das bedruckte Seidentuch, um den Hals oder in den Haaren gebunden
- Die hochgeschnittene Cordhose
- Der Wollponcho oder -umhang
Diese Basis lässt sich problemlos mit einer klassischeren Garderobe kombinieren. Das ist übrigens eine Besonderheit des Pariser Bobo: Er steht dem bürgerlichen Stil nicht entgegen, er mildert ihn ab.
Accessoires, die den Pariser Bobo ausmachen
Die Pariser Bobo-Accessoires sind sowohl präsenter als auch opulenter als im minimalistischen Stil – ohne jedoch in eine Hippie-Anhäufung zu verfallen.
Die Taschen. Der Eimerbeutel aus weichem Leder, die Bast- oder geflochtene Tragetasche, die kleine Vintage-Umhängetasche in patinierter Lederoptik. Starre, strukturierte Taschen sind hier selten. Siehe unsere Taschenauswahl.
Die Schuhe. Stiefeletten mit Knöpfen oder Schnürsenkeln, Wildleder-Mokassins, flache Riemchensandalen, manchmal hohe Stiefel im Winter. Der Absatz ist moderat, Komfort steht an erster Stelle. Siehe unsere Schuhauswahl.